Soziale Anerkennung

Soziale Anerkennung

Bereits im frühen Kindesalter wird unser Verhalten durch den wohlwollenden oder missfallenden Gesichtsausdruck als eine Reaktion auf unser Verhalten geprägt. Wir deuten daraus, ob dieses richtig oder falsch gewesen ist und richten unser weiteres Handeln danach aus. Auch in den folgenden Lebensjahren bietet uns die Reaktion anderer auf unser Verhalten eine Orientierung, ob dieses in einer sozialen Gruppe angemessen oder unangemessen war. Auf diese Weise erlernen wir in den jeweiligen Kontexten negatives und positives Verhalten. Die soziale Anerkennung wirkt sich somit auf die Entwicklung unserer Persönlichkeit und unserer Identität aus.

Aus der Betrachtung der Evolutionsbiologie war die soziale Anerkennung für das Überleben notwendig. Auf der Jagd nach großen Säugetieren konnte der Mensch nur im Miteinander, in einer Gruppe den Herausforderungen gewachsen sein. Der Ausschluss aus der Gemeinschaft und die daraus resultierende Isolierung bedeutet zwangsläufig den Tod. Der Einzelne war zum Überleben darauf angewiesen, ein Teil der Gruppe zu sein und deren soziale Anerkennung zu erhalten.

Bedenklich wird es allerdings, wenn wenn wir als Betroffene keinen Sinn mehr darin sehen, Dinge zu tun und entsprechend zu handeln, weil jeglicher Lob oder eine Anerkennung ausbleibt.

Mit positiver, sozialer Anerkennung können wir das Belohnungssystem in unserem Gehirn aktivieren. Es reagiert bei positivem Lob mit der Ausschüttung von Botenstoffen, wie Dopamin, auch als Glückshormon bezeichnet, Oxytocin und körpereigenen Opiate. Die Intensität der Auschüttung hängt davon ab, welchen Stellenwert das Lob einer Person für uns einnimmt. Soziale Anerkennung ist ein Grundbedürfnis. Der Mensch ist bereit, viel dafür zu tun, um das Ziel zu erreichen, wahrgenommen und bestätigt zu werden. Sie motiviert uns, zu handeln.

Es gibt nichts Schöneres als geliebt zu werden, geliebt um seiner selbst Willen oder vielmehr trotz seiner selbst.

Viktor Hugo

Wie in den beiden Blogbeiträgen zur Leistung und Geborgenheit bereits erwähnt, fördert die Anerkennung der erbrachten Leistung die Entwicklung von Motivation, Ausdauer und eines positiven Selbstwertes.

Gerade Kinder mit ADS/ADHS benötigen mehr soziale Anerkennung durch Lob und positives Feedback!

Denk an eine anstrengende Situation, welche du mit einem Kindes mit ADHS erlebt hast. Vielleicht, erinnerst du dich daran, dass es in der Hausaufgabenbetreuung wütend seine Schulsachen herumwarf, sich verweigerte oder durch Witze die anderen beim Arbeiten störte?

Was machst du in einer solchen Situation?
Versuche einmal die Perspektive des Kindes einzunehmen, welches vielleicht nicht äußert:

 „Ich bin total müde vom Schultag!“, „Die vielen Kinder und Geräusche sind mir jetzt zu viel!“, „Mein Kopf ist voll und jetzt soll ich nochmal die Aufgaben rechnen, die ich heute Morgen schon nicht verstanden hatte!“

Diese und noch viele andere Gedanken könnten im Kopf kreisen, ohne dass sie ausgesprochen, sondern mit Taten gezeigt werden.

Du kennst dieses Kind und weißt um seine Leistungsgrenze, dennoch ist es in den vorhandenen Rahmenbedingungen häufig nicht immer möglich, auf diese besonderen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Du erkennst die Bedürfnisse der Restgruppe, arbeitest vielleicht alleine und der zeitliche Rahmen ist begrenzt.

In einer solchen Situation ist es sicherlich hilfreich, dass das betroffene Kind um seine soziale Anerkennung weiß, es sich in der Gruppe und von den ErzieherInnen gemocht und akzeptiert fühlt.


Mit klarer Sicht voraus!

Deine Jeannine Hohmann

Leistung, aber wie?

Leistung, aber wie?

Wie definierst du Leistung?

Google sagt dazu Folgendes:

Leis·tung/Leístung/ Aussprache lernen Substantiv, feminin [die]

  1. 1. [ohne Plural] das Leisten (1)
  2. 2a. etwas Geleistetes; geleistete körperliche, geistige Arbeit; unternommene Anstrengung und das erzielte Ergebnis“eine hervorragende, gute, schlechte, mangelhafte, schwache Leistung“

Klar ist, dass Leistung im schulischen Alltag einen hohen Stellenwert einnimmt und durch die Vergabe von Zensuren der Druck erhöht wird.

Ich referiere in meinen Seminaren über einen bekannten Schweizer Kinderarzt, Remo Largo, der für die Abschaffung der Noten plädiert. In seinen Büchern warnt er besonders vor dem Förderwahn sowohl innerhalb der Familie als auch in der Schule und stellt fest:

«Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.»

Remo Largo

Ich kenne einige Schulen, in denen Noten durch differenzierte Beurteilungsbögen ersetzt und später mit Zensuren ergänzt werden.

Wie stehst du zu dieser Leistungsbeurteilung, wenn du an die Kinder denkst, die aufgrund ihres AD(H)S von Beginn an ihre Leistungsgrenzen erreichen und dennoch den Leistungserwartungen nicht entsprechen?

Fakt ist, dass Leistung zunächst eine Wahrnehmung des eigenen physischen und psychischen Einsatzes darstellt.

Absolviere ich eine Tätigkeit mit hohem oder höchstem Einsatz, bin ich zufrieden mit meinem Resultat. Das Ergebnis entspricht meiner erbrachten Leistungsfähigkeit. So können Kinder sich als sportlich empfinden, wenn sie es schaffen zwei Runden um den Schulhof zu laufen. Denn zunächst steht ihr eigener Einsatz im Vordergrund.

Erst der Vergleich mit Gleichaltrigen oder die Anwendung von Bewertungsystemen lässt eine andere Wertigkeit der erbrachten Leistung entstehen.

Den Kindern und Jugendlichen mit AD(H)S fällt es nicht leicht, ihre Leistung im Kontext zur Bewertung realistisch einzuschätzen.

So erlebe ich in meiner Praxis, dass die Beurteilung der eigenen Leistung mit den Rückmeldungen der Schule häufig nicht übereinstimmen.

Die Kinder und Jugendliche empfinden subjektiv einen hohen Einsatz, erzielen allerdings häufig schlechte Ergebnisse. Dies führt zu einer hohen Frustration, welches wiederum Folgeschwierigkeiten entwickeln lässt.

Der Sinn des Lebens besteht darin seine Individualität in Übereinstimmung mit der Umwelt zu leben.

Remo Largo

In Gesprächen beklagen die Lehrer, die Erzieher oft auftretende Verhaltensweisen, wie z.B. Streiten, Prügeln, Dinge zerstören, Respektlosigkeit, Regelmissachtung, Weinen oder Verweigerung. Die Kinder in meiner Lerntherapie erzählen mir, dass sie wütend seien, sich nicht verstanden fühlen würden, sie alles täten und es doch nicht ausreiche.

Das Komfort-Zonen Modell von Luckner und Nadler erklärt nachvollziehbar diese Verhaltensweisen und lässt uns erahnen, was diese Kinder bewegt.

Thomas Jorré, Agile Coach, beschreibt anschaulich, wie sich Menschen von einer Zone zur nächsten bewegen, warum sie dort verweilen und welche Auswirkung diese auf unser Verhalten haben.

Er erklärt, dass eine Komfortzone auch zur unkonfortablen Komfortzone werden kann.

Die unkomfortable Komfortzone

Der Name Komfortzone suggeriert, dass sich jeder dort wohl fühlen muss. Leider ist das nicht so. Es gibt Menschen, die haben so viele Erfahrungen mit ihrer Panikzone gemacht und sich immer wieder direkt auf bekanntes Terrain zurückgezogen, dass ihre Lernzone fast vollständig verschwunden ist.

Wenn diese Menschen einen Schritt aus der Komfortzone heraus machen, dann landen sie direkt jenseits ihrer Lernzone in ihrer Panikzone. Sie werden quasi handlungsunfähig. Selbst wenn es ihnen in ihrer Komfortzone gar nicht gefällt, weil sie zum Beispiel ihre Aufgaben nicht mögen, die Kollegen unsympathisch finden und vor ihrem Chef Angst haben, wagen sie keinen Schritt aus dieser Komfortzone heraus, weil sie befürchten, dass es außerhalb davon noch viel schlimmer ist. Sie ertragen lieber das gewohnt schlimme, als zu riskieren, etwas neues schlimmes zu erleben. Sie verharren in ihrer schrecklich unkomfortablen Komfortzone.

Das ist natürlich eine sehr schlechte Situation. Die meisten Menschen brauchen Unterstützung, um daraus zu kommen. Sie brauchen jemanden, der sie an die Hand nimmt und ihnen hilft in sehr kleinen tastenden Schritten langsam ihre Lernzone wieder aufzubauen.

Thomas Jorre, Agile Coach

Viele Kinder mit ADS/ADHS befinden sich aufgrund ihrer Grenzerfahrungen in ihrer unkonfortable Komfortzone.

An dieser Stelle bist du an ihrer Seite! Du nimmst ihre Stärken wahr, erkennst ihr tatsächliches Können, ihre die Null-Fehler-Grenze. An ihr orientierst du dich, um deine ADS/ADHS- Kinder aus der unkonfortable Komfortzone in die Lern-Zone zu begleiten.

Hilf deinen Kindern, Lust und Freude am Lernen zu entwickeln! Meine Leistungs-Tipps, ab wie? sind einige Anregungen für dich.

Mit klarer Sicht voraus!

Deine Jeannine Hohmann

Die goldene Geborgenheit

Die goldene Geborgenheit

Das Gefühl der Geborgenheit entwickelt sich im Säuglingsalter zunächst durch Nähe und Körperkontakt.  Während der kindlichen Entwicklung  verändert sich dieses Grundbedürfnis. Das Streben nach sozialer Anerkennung und die Wahrnehmung der eigenen Leistungsfähigkeit rücken in den Vordergrund.

Ich erkenne mein „Ich “ – mein Selbst.

Ich werde mir selbst dessen bewusst.

„Selbstbewusstsein“

Konstante Bezugspersonen, klar strukturierte Räumlichkeiten, Rituale zur zeitlichen Orientierung bieten eine Verlässlichkeit und unterstützen Kinder, sich geborgen und sicher zu fühlen. Die Kinder nehmen ihr körperliches Wohlbefinden wahr und können sich mit ihrer Umwelt in Beziehung bringen. Sie entwickeln ein positives Selbstbewusstsein.

Im Alltag der Betreuung bist vielleicht gerade du eine konstante Bezugsperson oder willst sie für die Kinder werden. Mit kleinen pädagogischen Maßnahmenkatalog ist es möglich, dass du Geborgenheit aufbauen kannst.

Meine Materialien stammen aus der lösungs- und ressourcenorientierten Beratung, der Kinesiologie und der Psychotherapie. Der Austausch mit meinen Kolleginnen ist eine große Schatzkammer. Alle Beispiele nutze ich täglich in meiner Arbeit. Wenn du einmal begonnen hast, findest du an vielen Stellen neue Ideen und Anregungen zu dem Thema Geborgenheit und Selbstwert.

Denn gerade Kinder mit ADS/ADHS zeigen ein höheres Bedürfnis nach

  • körperlicher Nähe,
  • bestehenden Bezugspersonen,
  • ritualisierten Abläufen.

Mit klarer Sicht voraus!

Deine Jeannine Hohmann