Blog – ADHS unter Uns

Meine Beiträge zum Thema ADHS – für die Praxis aus der Praxis

  • Gastbeitrag „Unser Gehirn“ von Thomas Weidauer

    Thomas Weidauer von Neurolifebalance berichtet auf seiner Website von der Anatomie des Gehirns und dessen Leistungsfähigkeit. Ich freue mich, seinen Gastbeitrag auf meiner Website zu veröffentlichen.

    Unser Gehirn – unendlich komplex und nicht minder erstaunlich. Mit 100 Milliarden Nervenzellen und noch einmal mehr Vernetzungen steckt in unserem Kopf ein Wunderwerk an Fähigkeiten, Leistung und Flexibilität.

    Heute weiß man, dass unser Gehirn ein Leben lang fähig zum Lernen und zu Veränderungen ist – Neuroplastizität.

    Wie jede Veränderung braucht auch unser Gehirn Stimulation und Training, und aufgrund der zahlreichen Sinne, die uns zur Verfügung stehen, ist ein Training des Gehirns nicht nur jederzeit möglich, sondern gestaltet sich auch vielseitig und abwechslungsreich.

  • Fachliteratur Empfehlung – Konzentriert lernen mit ADHS

    Ein Buch mit Potential 🙂


    Tim Reichel von Studienscheiss sprach mich an, ob ich das neue Buch von Sara Dörwald lesen würde.
    Ja, deshalb hat es auch etwas gedauert, bis ich mich zu den Inhalten äußern konnte. Mein Mitleser und Helfer bei der Umsetzung war ein Jugendlicher, 14 Jahre, ADHS diagnostiziert.

    Viele Stunden verbrachten wir damit, zu lesen, aufzubereiten, anzuwenden und zu reflektieren.
    Das Resultat: Viele tolle Tipps, klasse Aufbereitung und leicht zu lesen.


    Als ich den Jungen nach seinem Feedback fragte, meinte er, dass die Eat-the-frog-Methode und die Not-to-do-Liste das Beste für ihn seien.
    Die Kröte wurde unterstützt von einem Konfektglas gefüllt mit Gummi-Fröschen. Wurde eine unliebsame Aufgabe erledigt, durfte ein Frosch 🐸 in den Mund hüpfen. Eine tolle Motivation!


    Ich schenke dem Jungen zum Abschluss das Buch und markiere die Lieblingsmethoden zur Erinnerung.
    Ein Buch mit Potenzial, das ich empfehlen kann.

    Fünf Sterne ⭐⭐⭐⭐⭐


    Mit klarer Sicht voraus!

    Eure Jeannine Hohmann


    #ads #adhs #strategie #struktur #literatur #schule #lernenlernen #studium #lehrer #studenten

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    Austausch über ADHS für Pädagogen

  • Corona – Homeschooling, Lerntherapie und AD(H)S

    Was bedeutet Homeschooling für die Betroffenen mit AD(H)S?

    Homeschooling ist eine gute Möglichkeit, um schulisches Wissen in der Corona-Zeit zu vermitteln.  Gilt dies auch für AD(H)S betroffene Kinder und Jugendliche? Welche Inhalte stehen im Fokus der Online-Therapie?

    Exkurs Lerntherapie

    Mein Name ist Jeannine Hohmann. Ich arbeite in meiner Praxis Institut Lernen mit Kindern und Jugendlichen, die AD(H)S diagnostiziert wurden. Lerntherapie betrachtet unterschiedliche Entwicklungsbereiche unter Einbeziehung der Kompetenzen und Grenzen. Die Grundlagen der Förderung beinhalten schulische Fertigkeiten, die Sensomotorik, die Sprachentwicklung, den psycho-sozialen Aspekt, die kognitiven Fähigkeiten sowie die Vermittlung der Strukturierungs- und Arbeitsorganisation. Aus der Analyse der Diagnostik ergibt sich der Therapieansatz. Es findet eine wöchentliche Therapiestunde mit den Kindern/den Jugendlichen und ein regelmäßiger Austausch mit den Eltern, Schule und Betreuung statt.

    Lockdown und was jetzt?

    Online-Therapie als Unterstützungselement für Homeschooling

    Als der Lockdown begann, realisierten Eltern erst allmählich, welche Auswirkungen die Veränderungen der äußeren Strukturen auf ihr Familienleben haben würden. In zahlreichen Telefonaten zeigte sich, dass eine Anpassung nötig war, um diesem gerecht zu werden. Mit dem Wegfall der schulischen Rahmenbedingungen und den damit ansteigenden Anforderungen im häuslichen Bereich erhöhte sich der Stresspegel. Die Resultate waren vermehrte Streitigkeiten, die zur Handlungsunfähigkeit führten. Mit dem Anstieg der Probleme wuchs der Beratungs- und Gesprächsbedarf in meiner Praxis.

    Ich entwickelte das Angebot der Online-Therapie, denn der Lockdown forderte eine zügige Neuausrichtung aller Beteiligten auf die Begebenheiten.

    Vorteile und Inhalte einer Online-Therapie im Lockdown

    Die Online-Therapie bietet die Möglichkeit der visuellen Kontaktaufnahme. Hierzu gehört es, dass für AD(H)S-Betroffene und deren Umfeld relevante Themen analysiert, bearbeitet und deren erste konkrete Nutzung besprochen werden.

    Vielfältige Problemfelder, die durch Homeschooling entstehen, bestimmen die Inhalte der Online-Therapie:

    Wie kann der Arbeitsplatz im Raumangebot gestaltet werden? Wie sollte der Arbeitsplatz aussehen, damit ohne Ablenkung gearbeitet werden kann? Welche Materialien zur Strukturierung des Arbeitsplatzes sind notwendig? Wie ist die zeitliche Organisation? Welche Arbeitssysteme können genutzt werden? Wie ist ein Wechsel von An- und Entspannung möglich? Was bedeutet dies konkret? Wie kann Belohnung aussehen? Wer unterstützt das Kind oder den Jugendlichen bei der Strukturierung, Organisation und Motivation? Wie können Arbeitsmaterialien visuell strukturiert werden? Welche Lernstrategien sind geeignet?

    Allerdings gehören auch folgende Fragestellungen zum Alltag des Homeschooling, die die Kinder und Jugendlichen bewusst hinterfragen, wie z.B. Warum muss ich mich anziehen und kämmen, wenn im Online-Unterricht die Kamera aus ist? Hier gilt es, diese aufzugreifen und gemeinsam zu analysieren.

    Das gesamte System arbeitet auf Hochtouren, damit Homeschooling gelingt!

    Doch wie empfinden die Kinder und die Jugendlichen das Homeschooling in der Corona-Zeit?  

    Während die Eltern von einer zunehmenden Ermüdung und Freude über das baldige Öffnen der Schulen und Kindergärten berichten, sagen ihre Kinder, dass sie ihre Freunde und die Pausen vermissen, dennoch das jetzige Lernen als angenehm wahrnehmen.

    Gezieltes Nachfragen offenbart, die Gründe für diese Aussagen:        

    Die Kinder und Jugendliche berichten, dass sie oft sehr spät einschlafen und deshalb gerne länger schlafen würden. Einige Schulen beginnen im Lockdown später mit dem Online-Unterricht, es findet weniger oder gar kein Unterricht statt. Dies ermöglicht die Anpassung an die persönlichen Schlafbedürfnisse.

    Noch mehr Vorteile aus der Perspektive der Kinder und Jugendlichen

    Die schulischen Inhalte können nach eigenen Prioritäten und zeitlicher Organisation bearbeitet werden. Die Gestaltung der Pausen orientiere sich an den eigenen Bedürfnissen. Es gäbe weniger Streitigkeiten mit anderen Personen. Sie fühlen sich zuhause weniger abgelenkt. Durch den Online-Unterricht würden sie nicht immer persönlich angesprochen. Da die PC-Kamera nur selten angeschaltet sei, falle es nicht auf, wenn sie nebenbei mit anderen Dingen beschäftigt seien. Der morgendliche Zeitdruck, pünktlich, geduscht und mit allen Schulsachen in der Schule zu erscheinen, sei nicht vorhanden. Die Essenszeiten seien ihren Essbedürfnissen angepasst, da viele AD(H)S-Betroffene morgens nicht frühstücken würden.

    Doch es gibt auch die Kehrseite der Medaille, nämlich bei den Kindern und Jugendlichen, deren Eltern und das Umfeld aus unterschiedlichen Gründen, die äußeren Strukturen, Organisation nicht ermöglichen können.

    Fazit

    Bei der Analyse der Aussagen ist festzustellen, dass Homeschooling ermöglicht, die Lernumgebung, die Aufbereitung der Lerninhalte, die zeitliche Organisation, das Bedürfnis nach Bewegung und Entspannung sowie die Motivationsförderung an den exekutiven Funktionen (kognitive Flexibilität, Arbeitsgedächtnis, Inhibition) anzupassen. Die Nebenwirkungen des Medikamentes, wie die Appetitlosigkeit kann durch die flexible Pausengestaltung ausgeglichen werden. Mit der Unterstützung eines stabilen Umfeldes und der Zusammenarbeit des Systems lässt sich Homeschooling positiv gestalten. Unstimmigkeiten, Zeiten, in denen es nicht so gut gelingt, gehören auch hier dazu.

    Zu hoffen ist allerdings, dass wir bald wieder eine Normalität erhalten, damit sich das Umfeld regenerieren kann.

  • Neurobiologie und ADHS, absolut verlockend!

    Ist es nicht verlockend, dass die Neurobiologie uns ermöglicht, die Ursachen für die Symptomatik von ADHS zu verstehen, damit wir als pädagogische Fachkräfte begleiten und fundiert beraten können?

    In Kürze zum Verständnis: Es handelt sich um das Verstehen des Neurotransmitterstoffwechsels im synaptischen Spalt! Ein Dopaminmangel ist verantwortlich für spezielle Verhaltensweisen, Wahrnehmung und kognitive Fähigkeiten, die wir bei ADHS alle kennen, den sogenannten exekutiven Funktionen.

    Sich komplexes ADHS-Fachwissen zu erarbeiten, bereitet Mühe und kostet viel Zeit!


    Auch eine schwere Tür hat nur einen kleinen Schlüssel nötig.


    Charles Dickens

    In diesem Blog erkläre ich dir, wo der Dopaminmangel entsteht, was dort passiert, warum dies so ist und welche Wirkung Medikamente beabsichtigen.


    Eine Reise in die Neurobiologie

    Der synaptische Spalt – Entstehungsort des Dopaminmangels

    Ich möchte dich nun auf die Reise in das Gehirn eines ADHS-betroffenen Menschen mitnehmen.

    Unsere Reise beginnt in einer Nervenzelle, auch Neuron genannt, die das Grundelement unseres Nervensystems darstellt.

    Nervenzellen übertragen Reize und Signale, nehmen sie auf und leiten diese weiter. Den Aufbau der Nervenzelle kannst du dir bei Interesse im Film „Bau und Funktion von Nervenzellen- Nervensystem einfach erklärt“ anschauen.

    Um die Entstehung des Dopaminmangels erklären zu können, begeben wir uns zu den Synapsen. Die Signalübertragung zwischen zwei Synapsen erfolgt durch die Weitergabe von Botenstoffen, den Neurotransmittern.

    Dies geschieht zwischen der Prä- und Postsynapse im synaptischen Spalt. An diesem Ort wird eine Verbindung zu den anderen Nervenzellen hergestellt.

    Die drei wichtigsten Bereiche kennst du jetzt:

    • die Präsynapse (in Abb. oben)
    • der synaptische Spalt zwischen den Nervenzellen
    • die Postsynapse (in Abb. unten)

    Jetzt wird es interessant! Was passiert in den drei Bereichen Präsynapse, synaptischer Spalt und Postsynapse?

    In der Präsynapse wandert das Vesikel (blauer Kreis), welches mit Dopamin (gelbe Punkte), dem Neurotransmitter gefüllt ist nach unten, um mit der Zellwand zu verschmelzen. Dann wird das Dopamin in den synaptischen Spalt abgegeben.

    Exkurs – Was ist Dopamin?

    Dopamin ist ein anregender Botenstoff oder auch Neurotransmitter genannt. Er verarbeitet Informationen zwischen den Nervenzellen. Dopamin wird in der Präsynapse in Vesikeln gespeichert und durch elektrische Signale der Nervenzellen in den synaptischen Spalt freigesetzt. Es wird als Glückshormon bezeichnet und vermittelt bei seiner Ausschüttung positive Glückserlebnisse. Dadurch entsteht ein Belohnungseffekt, der sich langanhaltend auf eine längerfristige Motivationssteigerung und Förderung der Antriebsfähigkeit auswirkt.

    Prozess im synaptischen Spalt

    Verbindung Dopamin an den Rezeptoren der Postsynapse

    Nun beobachten wir die Bewegung des Dopamins (Abb. gelbe Punkte) im synaptischen Spalt. Hier siehst du, dass auf der einen Seite der Botenstoff zum Teil zu der Postsynapse wandert, um dort nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an einen Rezeptor (Abb. blaue Gebilde unten) anzudocken. Ein Signalimpuls wird ausgelöst.

    Rückführung der Neurotransmitter durch die Dopamintransporter der Präsynapse

    Richte deinen Blick nochmals zur Präsynapse. Dort wandert ebenfalls das Dopamin über die Dopamintransporter (Abb. grüne Gebilde oben) wieder zurück in die Präsynapse und wird abgebaut.

    Warum ist das so? Dopaminmangel

    Jetzt richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf die Dopamintransporter (Abb. grüne Gebilde oben). Du erinnerst dich, dass während der Bindung an die Rezeptoren (Abb. blaue Gebilde unten), Dopamin (Abb. gelbe Punkte) über die Dopamintransporter wieder zurückgeführt wird.

    An dieser Stelle wird nun deutlich, warum bei ADHS ein Dopaminmangel im synaptischen Spalt entsteht.

    Dopaminmangel im synaptischen Spalt

    Bei ADHS-Betroffenen finden sich an der Präsynapse eine höhere Anzahl der Dopamintransporter (Abb. grüne Gebilde Oben).

    Durch diese kann mehr Dopamin aus dem synaptischen Spalt zurückgeführt werden.

    Dieser Zustand führt dazu, dass nicht genügend Dopamin an die Rezeptoren anbindet (Abb. blaue Gebilde unten).

    Dies bezeichnet man als Dopaminmangel.

    Was kann man dagegen tun? Wirkungsweise der Medikamente

    Die Gespräche mit Eltern, Lehrer, Pädagogen, betroffenen Kindern und Jugendlichen in meiner Praxis lassen mir immer wieder klar werden, wie umstritten die Einnahme der Medikamente bei ADHS ist. Ein heißes Eisen, welches meines Erachtens auch mit kritischen Augen von Fachärzten beurteilt werden sollte. Dennoch zeigt das folgende Beispiel die Wirkungsweise von Methylphenidat bei Dopaminmangel, eine der Ursachen von ADHS.

    Medikamente, wie Methylphenidat (Abb. orange Rauten) reduzieren den Dopaminmangel. Sie blockieren Dopamintransporter (Abb. grüne Gebilde Oben, rote Kreuze).

    Dies führt dazu, dass mehr Dopamin (Abb. gelbe Punkte) im synaptischen Spalt verbleibt und sich an die Rezeptoren (Abb. blaue Gebilde Unten) bindet. Es entstehen stärkere Signalimpulse.(Abb. Wellen unten). Weiterhin wandert Dopamin über die nicht blockierten Dopamintransporter (Abb. grüne Gebilde, Haken) ab und wird abgebaut.

    Zusammenfassung Dopaminmangel im synaptischen Spalt

    Dopaminmangel im synaptischen Spalt und die Wirkung von Methylphenidat

    Ich wünsche mir eine offene, dennoch kritische Haltung gegenüber der Medikamentenverabreichung. Das Fachwissen über die neurologischen Prozesse hilft, nicht begründbare Vorbehalte abzubauen. Viele positive Beispiele aus meiner Therapie zeigen, dass Verhalten und die exekutiven Funktionen durch Medikamente positiv beeinflusst werden, was wiederum den Teufelskreis unterbrechen kann!

    Mit klarer Sicht voraus! Eure Jeannine

Gastbeitrag „Unser Gehirn“ von Thomas Weidauer

Heute weiß man, dass unser Gehirn ein Leben lang fähig zum Lernen und zu Veränderungen ist – Neuroplastizität.

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Fachliteratur Empfehlung – Konzentriert lernen mit ADHS

Konzentriert lernen mit ADHS

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Sei auch dabei!

Austausch über ADHS für Pädagogen

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Corona – Homeschooling, Lerntherapie und AD(H)S

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